Humor- und Satirezeichner machen Ernst

Königs Wusterhausen. Am Mittwochabend dieser Woche (27. August 2008) fanden sich im Grünen und bei milden Temperaturen die ersten sieben Initiatoren aus Berlin und Brandenburg zusammen, um einen bundesweiten gemeinnützigen Verein mit dem Namen „Cartoonlobby“ zu gründen.

Grund zum Anstoßen - die Vereinsgründer in Königs Wusterhausen (von links) Rainer Ehrt, Kriki, Freimut Woessner, Andreas Nicolai, Rainer Hachfeld, Heinfried Henniger und nur als ausführende Hand Reiner Schwalme

Die prominenten Zeichner, Lektoren und Kunstagenten haben sich zum Ziel gesetzt, die ganz speziellen Kunstgenres Cartoon, Karikatur und Komische Kunst zu fördern und ihre Protagonisten zusammenzuführen. Gemeinsam möchten sie sich stark machen, damit die visuelle Satire und der visuelle Humor als Form der kreativen künstlerischen Tätigkeit, des Broterwerbs und als Kommunikationsform ihre kulturelle und gesellschaftliche Anerkennung in Deutschland finden. Das dies nicht immer der Fall ist, hat die Vergangenheit gezeigt. Die Arbeiten der Zeichner werden hier bei weitem nicht so hoch geschätzt, wie man dies von anderen europäischen Nachbarländern, z.B. Frankreich, Belgien oder Polen, kennt. Dabei ist die journalistisch-zeichnerische Begleitung der aktuellen Tagesthemen in der Presse meist nur ein kleiner, aber wirtschaftlich wichtiger, Teil des künstlerischen Schaffens der Zeichnerinnen und Zeichner. Darüber hinaus gibt es aber eine Menge sehenswerter und humorvoller Zeitkommentare, gesellschaftskritischer Blätter und künstlerischer Arbeiten von hohem Unterhaltungswert, die kaum ein Podium in unserer Kunst- und Kulturlandschaft finden. Allzu schnell werden diese als „U-Kunst“ abgestempelt oder als „Witzzeichnung“ abgetan und selten sieht man sie in unseren Galerien und Museen. Dabei haben uns die Arbeiten der Künstler so viel mehr zu sagen. Sie hinterfragen, was in unserem Alltag allgemeiner Oberflächlichkeit und medialer Austauschbarkeit längst keiner mehr zum Thema macht. Sie sind Chronisten unserer Zeit und liefern Denkanstöße der besonderen Art - weich verpackt aber mit scharfen Kanten.

Dabei wird fortgesetzt, was bereits erfolgreich begonnen wurde. Das InternetPortal www.cartoon-journal.de wird weiter zum Forum für Macher, Fans und als Sprachrohr des Vereins ausgebaut. Hier werden die Informationen gebündelt, Termine publiziert und ein Überblick zur Cartoonszene im deutschsprachigen Raum gegeben. Thematische Ausstellungen werden konzipiert und bundesweit realisiert. Letztendlich wird ein Verein nur über die Projekte wahrgenommen, die er umsetzt und der Öffentlichkeit präsentiert. Ein erstes großes Ausstellungsvorhaben ist für den Dezember diesen Jahres in Königs Wusterhausen geplant. Ebenso ist ein Projekt zum Kulturland Brandenburg 2009 in Vorbereitung.

Aber auch die Bewahrung des kulturellen Erbes der Zeichnerinnen und Zeichner stellt einen wichtigen Aspekt in der Vereinsarbeit dar. Er hat nicht zufällig Königs Wusterhausen als Sitz ausgewählt. Zur Verwirklichung seiner Zielstellungen strebt der Verein die Gründung eines "Museums für Humor und Satire" als Forum für die Begegnung, Dokumentation und die Forschung in der Region Berlin/Brandenburg an. Königs Wusterhausen könnte sich als idealer Standort für ein solches Vorhaben anbieten. Den Grundstock der Sammlung eines solchen Museums, sollen die Arbeiten und Nachlässe ehemals ostdeutscher Zeichnerinnen und Zeichner bilden, mit deren Aufarbeitung und Sicherung bereits begonnen wurde. Die Sammlung soll dann in fernerer Zukunft , auch über dieses spezielle Sammlungsgebiet hinaus, ihre Erweiterung erfahren. Neben der Präsentation der Bestände des Museums sind zeitgenössische Ausstellungen fester geplanter Bestandteil eines solchen Hauses.

Wie man sieht sind das eine Menge Ziele, die sich die Vereinsgründer gestellt haben. Nun wünschen sie sich noch mehr engagierte Mitstreiter und lassen sich erst einmal als Verein ins Register eintragen, damit auch die Finanzierung ihrer vielen Vorhaben und die Zuwendungen von Sponsoren eine abgesicherte Grundlage finden. Nur so wird aus Humor und Satire bitterer Ernst, aber bestimmt nicht für das Publikum.


Weitere Informationen zum Verein und seinen Zielstellungen gibt es unter der "vorläufigen Arbeitsseite" www.cartoonlobby.de ! Neue Mitglieder sind willkommen !