Viele haben es sicher schon mitbekommen:

Das älteste noch erscheinende Satiremagazin der Welt, der Nebelspalter, wurde aufgekauft.

In wenigen Tagen startet der Nebelspalter mit einem völlig neuen Onlineauftritt. Die Idee der Investoren und des neuen Chefs ist, täglich bis zu 5 politisch aktuelle Artikel zu veröffentlichen. Nun muss man wissen, dass mit Markus Somm ein Vollblutjournalist neuer Inhaber ist, welcher ganz klar dem bürgerlich-konservativen Lager zuzuordnen ist (In Jugendjahren Trotzkist!). 70 Investoren aus der Schweizer Wirtschaft hat er zusammengetrommelt, jeder investiert 100'000 Schweizer Franken. Bis in 4 Jahren muss der Nebelspalter selbsttragend sein. Alle Beteiligten stehen mehr oder minder der Schweizerischen FDP nahe (ziemlich deckungsgleich mit der deutschen FDP), einige wenige auch der SVP des rechtskonservativen Patron Christoph Blocher. Der jedoch selber nicht beteiligt ist. Viele aus der Bankenbranche (Schweiz halt!), Autoimporteure, Börsenspekulanten die viel Geld machten in den letzten Jahren. Ihnen geht es vor allem um mehr politische Macht in der Schweiz, gegen weitere Verträge mit der EU (!), im Prinzip um mehr Einfluss im Land. Somm hat eine neue Redaktion in Zürich aufgebaut mit Journalist*innen, die definitiv alle politisch gleich positioniert sind wie er und seine Investoren. 

Was den Print betrifft: So soll der gedruckte Nebelspalter weiterhin von einer Redaktion am Bodensee (Horn) produziert werden (Chefred. Ralph Weibel). Also: Gedruckte Monatsausgabe und Onlineauftritt sind vorerst noch getrennt voneinander, 2 Redaktionen. Allen ist klar, dass spätestens im Sommer auch das Magazin "gleichgeschaltet" werden dürfte, wenn nicht gar ganz als Print bald einmal eingestellt wird.

Die meisten Schweizer Karikaturist*innen, welche für den Nebelspalter seit Jahren zeichneten, werden nach der Aprilnummer - der letzten unter Chefredakteur Marco Ratschiller - aussteigen! Genauso viele Autor*innen.

Jede und jeder muss für sich entscheiden, ob man bei dem FDP/SVP-Magazin mitmacht. Ideen, gemeinsam mindestens inhaltlich etwas gegenzusteuern, haben sich nach einigen Gesprächen hier in der Schweiz unter uns Zeichner*innen und Satiriker*innen inzwischen "zerschlagen". Ich selber habe mich noch nicht endgültig entschieden und warte den Neustart kommenden Mittwoch (17.4.) ab. Bin eher gegen voreilige Schlüsse, jedoch äußerst skeptisch. Ich zeichne seit 1998 regelmäßig für den Nebelspalter.

 

Zu guter Letzt: Warum kauft Somm den Nebelspalter? Ein Journalist fragte nach:

"Warum haben Sie einen Satire-Titel gekauft? Warum starten Sie kein neues Portal?

Das habe ich mir lange überlegt, und letztlich gaben die Emotionen den Ausschlag. Ich bin Historiker; der «Nebelspalter» hat eine lange Geschichte. In den Medien ist es ein großer Vorteil, einen etablierten Titel zu haben. Das Nachrichtenmagazin «Facts» ist wohl auch darum eingegangen, weil die Marke nicht gut war.

Als Satiriker haben Sie sich bisher nicht hervorgetan.

Das stimmt. Aber der «Nebelspalter» war immer ein politisches Blatt. Er war bürgerlich-liberal. Ich glaube, beurteilen zu können, ob ein Text lustig ist oder nicht. Hinzu kommen die Karikaturen, die eine enorme Kraft entfalten. Aber ja: Ich stoße in neues Territorium vor. Das kann auch in die Hosen gehen.

In die Hosen? Da werden sich Ihre Investoren freuen.

Ich führe ein Start-up-Unternehmen, keine Behörde. Das wissen die Geldgeber. Das Projekt kann auch scheitern.

Der «Nebelspalter» ist nicht bürgerlich-liberal. Die meisten Autoren und Karikaturisten stehen links der Mitte.

Ich rede von 1875 bis 1980. Dann wollte der «Nebelspalter» das deutsche «Titanic» imitieren und ging fast unter. Die DNA des Magazins ist bürgerlich-liberal. Ich werde den Titel dahin zurückführen. Und da werden vielleicht einige Abonnenten abspringen, dieses Risiko besteht immer. Ans Heft mache ich mich aber erst im Sommer. Nun geht es um den Start des Online-Portals, auf dem die Satire rund 20 Prozent der Inhalte ausmacht."

 

Für allfällig aufkommende Fragen stehe ich über meine Mail für euch zur Verfügung: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Herzliche Grüße aus Baden in der Schweiz an euch alle,

Silvan Wegmann (swen)

 

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