Grußwort von Staatsministerin Prof. Monika Grütters MdB

 Foto Christof Rieken 

© Foto Christof Rieken

Zuspitzen, den Finger in die Wunde legen, provozieren, Tabus brechen, sich lustig machen, wo für andere der Spaß aufhört - all das können und dürfen Cartoons und Karikaturen, die sich damit hierzulande nicht nur als eigene Kunstform, sondern auch als geschätzte Impuls­geber einer demokratischen Debattenkultur etabliert  haben. Und doch ist die Freiheit der Satire, ja der Kunst insgesamt angesichts islamistischer Anschläge und Drohungen heute weniger selbstverständlich denn je.

Wie weit kann, darf, muss Kunst gehen, und wo ziehen wir, wenn überhaupt, Grenzen künstlerischer Freiheit? Diese Fragen sind spätestens nach dem Anschlag auf das französi­sche Satiremagazin Charlie Hebdo ins Zentrum gesellschaftlicher Debatten gerückt. Einfacher zu beantworten und nicht weniger relevant ist die Frage, wo die "Diktatur des Zeigbaren" beginnt. Sie beginnt dort, wo die künstlerische Freiheit mit einem "Aber" versehen wird, hinter dem politische Machthaber, gesellschaftliche Gruppen oder auch Einzelne ihr Terrain für sakrosankt erklären und diejenigen, die diese Grenzen nicht respektieren, Repressalien befürchten  müssen. Eben deshalb haben die Anschläge von Paris Europas Demokratien ins Mark getroffen: weil die Angst um Leib und Leben, die sie verbreiten, eine Diktatur des Zeig­baren und Sagbaren in den Köpfen verankert, die den Zaun der (Selbst)Zensur immer enger zieht.

Darüber offen zu diskutieren und immer wieder auf die Bedeutung der Kunst, nicht zuletzt auch der "Komischen Künste", der Satire aufmerksam zu machen, ist ein wichtiger Beitrag zur Verteidigung der Kunstfreiheit. Nicht zuletzt deshalb begrüße ich es sehr, dass sich zahl­reiche namhafte Karikaturisten und Cartoonisten als Lobby in eigener Sache zusammen­gefunden haben, um die Gesellschaft für die Bedeutung ihrer künstlerischen Tätigkeit zu sensibilisieren und für deren gesellschaftliche Anerkennung zu werben.

Fest steht: Eine Kunst, die sich festlegen ließe auf die Grenzen des politisch Wünschens­werten, eine Kunst, die den Absolutheitsanspruch religiöser Wahrheiten respektierte, die das überall lauernde Risiko verletzter Gefühle scheute, die gar einer bestimmten Moral oder Weltanschauung diente - eine solchermaßen begrenzte oder domestizierte Kunst würde sich nicht nur ihrer Möglichkeiten, sondern auch ihres Wertes berauben. Deshalb gehört der Schutz der Kunstfreiheit zu den vornehmsten Pflichten unserer Kulturpolitik. Darauf können sich auch die Karikaturisten und Cartoonisten verlassen.

ln diesem Sinne wünsche ich dem Verein Cartoonlobby viel Erfolg für sein Engagement und all seinen Mitgliedern weiterhin  den Mut, zuzuspitzen, den Finger in die Wunde zu legen, zu provozieren, Tabus zu brechen und sich lustig zu machen, wo für andere der Spaß aufhört!

Collage von Kriki 

© Collage von Kriki

 

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